Segeln in Nordgriechenland – unsere Route, unsere Highlights

Mitte April sind wir in Griechenland auf Kefalonia angekommen. Und nur einen Monat später erreichten wir Sithonia, den mittleren Finger Chalkidikis. Einerseits war es sehr schade, dass wir uns für diese Strecke nicht mehr Zeit lassen konnten. Andererseits freuten wir uns riesig auf die zwei Wochen, die wir mit meinen Eltern, Hackos Tochter und unseren Freunden verbringen konnten.

Und nun haben wir uns richtig viel Zeit gelassen. Die Zeit von Mitte Mai bis Ende Juni verbrachten wir in Nordgriechenland und reisten von Chalkidiki weiter nach Kavala, Thasos und Samothraki. Unsere Route im Überblick:

  1. 15.05. bis 05.06.2019 Vouvourou (Sithonia)
  2. 05.06. bis 06.06.2019 Sykia (Sithonia)
  3. 06.06. bis 08.06.2019 Porto Koufo (Sithonia)
  4. 08.06. bis 11.06.2019 & 12.06. bis 13.06.2019 O. Toronis (Sithonia)
  5. 11.06. bis 12.06.2019 Glarokavos (Kassandra)
  6. 14.06. bis  18.06.2019 Kavala
  7. 18.06. bis 21.06.2019 Nea Limani (Thasos)
  8. 22.06. bis 23.06.2019 O. Potamia (Thasos)
  9. 23.06. bis 26.06.2019 Aliki (Thasos)
  10. 27.06. bis 30.06.2019 Kamariotissa (Samothraki)

1

Vouvourou / N. Diaporos

2

Sykia

3

Porto Koufo

4

O. Toronis

5

Glarokavos

6

Kavala

7

Thasos Chora

8

Golden Beach

9

Aliki

10

Kamariotissa

Unsere Zeit auf Sithonia, dem mittleren Finger Chalkidikis

Perfekter Treffpunkt Vouvourou

Vouvourou bzw. die Inseln Diaporos waren perfekt geeignet, um Anixi auch mal einige Zeit allein vor Anker zu lassen. Wir ankerten dank unseres geringen Tiefgangs auf der riesigen Sandbank, meist ganz allein. Und waren durch die vorgelagerten Inseln rundum vor Seegang geschützt.

Ankerplatz Vouvourou


Ankerplatz Vouvourou – Blick auf Athos

Gleich drei Wochen verbrachten wir hier und genossen die Zeit mit Familie und Freunden. Ausflüge nach Porto Koufo, Toroni, Neos Marmaras. Schöne Spaziergänge entlang der Strände Vouvourous. Grillieren bei meinen Eltern am Haus oder am Strand. Die Zeit flog einfach nur so dahin.

Anker auf: wir segeln auf die Westseite Sithonias

Am 05. Juni hiess es Anker auf. Nicht das wir hier noch Wurzeln schlagen. Wir wollten auf die Westseite Sithonias! Einmal vor dem Strand ankern, an dem Hacko früher fast jedes Jahr seine Ferien im Camper verbracht hat. In Sykia verbrachten wir eine Nacht vor dem herrlichen Sandstrand. Wir hatten grosses Glück, das sämtliche Gewitter, die wir auf unserem Weg Richtung Süden über Sithonia zogen, nach Norden abzogen. Seit einigen Tagen bilden sich hier oben fast täglich ein oder mehrere Gewitter, die vor allem über den Norden Chalkidikis hinwegzogen. Die nächsten Tage sollte das noch so bleiben.

Gewitter über Chalkidiki


Vor Anker in Sykia

Unser nächster Stopp: Porto Koufo. Ein beeindruckender Naturhafen, in dem man einerseits römisch-katholisch an der Pier festmachen oder vor Anker liegen kann. Der Ankergrund ist allerdings relativ tief. Es gibt nur wenige Stellen, an denen auf ca. 10 Meter Tiefe geankert werden kann. Als wir in Porto Koufo einliefen, waren schon recht viele Schiffe vor Anker und die Pier war vollständig belegt. Nachdem wir zweimal quer durch den Hafen gefahren sind, zweimal versuchten zwischen den anderen Booten zu ankern entschieden wir vor dem Strand und dem einzigen Bäumchen weit und breit mit dem Ausbringen einer Landleine festzumachen. Sehr unkonventionell in diesem Hafen. Aber zumindest lagen wir dort für zwei Nächte wunderbar sicher und ganz allein.

Einfahrt Porto Koufo


Im Naturhafen Porto Koufo vor Anker

In Porto Koufo haben wir uns auch nochmal mit Diesel eingedeckt, die Tankstelle war gut zu Fuss erreichbar. Wir sind in dieser Hinsicht wahrscheinlich etwas komisch: vom Tankwagen wollen wir definitiv nichts in unsere Tanks füllen lassen – wir kennen schliesslich dessen Umsatz und somit die Qualität des Diesels nicht … Ausserdem sparen wir uns gern die meist 10 Cent pro Liter, die es mehr kosten würde. Also ist mal wieder Kanister Schleppen angesagt.

Am 08.06. segelten wir weiter in die Bucht, in der Hacko früher seine Camping Urlaube verbrachte: O. Toronis. Wir ankern vor dem Sandstrand, an dem sich nun seit fast 11 Jahren eine Beach Bar befindet. Vor 17 Jahren waren wir gemeinsam hier, einiges hat sich seitdem geändert. Aber vieles erkennt Hacko auch wieder. Auch den Kis Kis – Apartments – statten wir einen Besuch ab, treffen jedoch kein bekanntes Gesicht. Einige Tage darauf erfahren wir, dass Irini, die Inhaberin, nur noch sporadisch hier sei – das nächste Mal Ende Juni. Nun ja, so lang wollten wir leider nicht in der Gegend bleiben.

O. Toronis auf Sithonia

Nach einem kurzen Abstecher auf Kassandra und einer weiteren Nacht in der Bucht vorm Kis Kis verlassen wir Chalkidiki. Fast einen Monat haben wir hier verbracht. Nun freuen wir uns auf die weiteren Inseln Nordgriechenlands.

Anixi vorm Kis Kis


Blick vom Kis Kis auf O. Toronis


Ormos Toronis Sithonia

Übrigens: immer öfter verwende ich für die Suche nach guten Ankerplätzen Google Earth. Hiermit kann man bereits im Vorfeld gut abschätzen, wie der Ankergrund sein wird. Vor dem KisKis zum Beispiel findet man drei grosse Ankerbuchten. In der nördlichen schmalen Bucht befindet sich jedoch ausschliesslich Seegras, wie wir selber feststellen mussten. In der nordöstlichen Bucht ist der Ankergrund vor allem in der östlichen Hälfte sehr gut geeignet, gleichmässige Tiefe von 6-8 Meter und Sand. Auch in der südlichen Bucht finden wir grosse Bereiche von Sandgrund, in dem der Anker sofort perfekt hält. Natürlich kann man sich nicht 100% auf Google Earth verlassen, denn helle Bereiche können zum Beispiel auch braunes, helles Seegras auf Sand oder harten Sand bedeuten. In diesem Grund würde der Anker schlecht halten, bzw. schlecht greifen. Diese Erfahrung mussten wir mittlerweile auch machen.

Ankerplätze O. Toronis


O. Toronis Südliche Ankerbucht


O. Toronis Südliche Ankerbucht

Von der Zeit her haben wir es wirklich gut getimt. Bevor der Meltemi einsetzt wollten wir den Norden Griechenlands erreichen. Das haben wir auch gut geschafft. Noch immer lässt der starke Nordwind hier oben auf sich warten. Auch der Südwind ist meist relativ schwach, so dass wir die 76 Meilen von Sithonia nach Kavala – dem nördlichsten Punkt unserer Griechenlandreise – zumeist motoren mussten.

Vorbei an Athos unter Parasailor


Delfine vor Athos

Kavala

Eigentlich stand Kavala nie auf unserem Reiseplan. Aber bekanntlich sind diese ungeplanten Orte, diese ungeplanten Bekanntschaften und Erlebnisse meist die besten. So ging es uns mit dieser Stadt.

Nach dreimaligem Verholen haben wir im Hafen einen Platz gefunden, an dem wir die nächsten Tage liegen konnten: und zwar im Prinzip direkt unter dem Schloss. Ein fantastischer Liegeplatz. Das Hafenprozedere, das Hin und Her war schnell vergessen.

Im Hafen von Kavala

Tipps zum Hafen in Kavala: wir haben zunächst im Yachthafen (direkt nach der Hafeneinfahrt steuerbord) festgemacht. Wenn möglich, wenn etwas frei ist, fahrt ihr direkt in den Bereich des Hafens, der auf backbord liegt. Im Gebäude der Coast Guard gilt es sich im zweiten Stock anzumelden (Büro links neben der Landkarte, einfach gerade durchlaufen). Anschliessend solltet ihr euch in den ersten Stock begeben. Dort erhaltet ihr die Schlüsselkarte, die ihr mit einem Guthaben für Wasser und Strom aufladen könnt. Ebenfalls in diesem Büro erfahrt ihr, wo ihr liegen dürft.

Der Yachthafen ist komplett privat, für Charteryachten vorgesehen. Wir wurden hier nicht geduldet und in den öffentlichen Hafen geschickt, wo zum Glück noch ein Platz frei war.

Hafen von Kavala

Vier Tage verbrachten wir in dieser lebendigen Stadt. Hier findest du alles – Historie in der Altstadt, viele kleine Cafés und Shops im St. Nikolaus Viertel. Einen grossen Markt jeweils samstags. Die Stadt verströmt eine junge, moderne Atmosphäre. Sie lebt, auch ohne Tourismus.

Thasos

Auf Thasos, die nördlichste bewohnte ägäische Insel, freuten wir uns schon seit langem. Warum kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen. Ohne grosse Erwartungen und Vorstellungen kamen wir Mitte Juni in der Marina Nea Limani (Limenias) an. Hier fanden wir einen perfekten Liegeplatz – längsseits an der nördlichen Hafenmole. Genügend Platz. Rundum geschützt. Hier konnten wir Anixi mit sicherem Gefühl einen Tag allein lassen, um die Insel zu erkunden.

Liegeplatz Thasos Nea Limani


Liegeplatz Thasos Nea Limani

Wir entschieden, Thasos mit einer Enduro zu entdecken, denn es gibt viele unbefestigte Strassen, die mit dem normalen Auto nicht befahren werden dürfen. Ausserdem freute sich Hacko wie ein kleines Kind, mal wieder Motorrad fahren zu dürfen 🙂

Wir genossen den Tag im Gelände dann auch ausgiebig. Wir fuhren hinauf auf den Ypsario, den mit 1204 Meter höchsten Berg der Insel Thasos, mit einer grandiosen Aussicht auf den Golden Beach. Wir erkundeten Bergdörfer, wie z.B. Kastro, wo wir superleckeren Kastanienhonig erstanden. Mein Honigherz freute sich riesig, konnte doch die Honigsammlung um eine weitere Rarität aufgestockt werden. Auf Thasos fanden wir auch kleine Wasserfälle und Seen. Es regnete hier fast täglich, die Natur freute es und es war hier recht grün für eine griechische Insel.

In Limenias gibt es einen lohnenswerten Trail rauf zur Akropolis. Wir sind diesen zwar nicht gegangen, sondern am nächsten Tag mit dem Motorrad hoch gefahren. Was auch sehr lohnenswert war – der Ausblick von hier oben auf die Stadt ist fantastisch. Zudem sollten historisch Interessierte das Museum auf Thasos besuchen.

Blick von Akropolis

Seit dem unser Wassermacher in Betrieb ist, ist unsere Hafenzeit auf maximal 4 Tage begrenzt. Im Hafen wollen wir ihn nicht laufen lassen und stilllegen inkl. dem ganzen Reinigungsprozedere, das möchten wir uns auch sparen. Aber irgendwie hat es auch einen kleinen Vorteil: wir können nicht so einfach hängen bleiben. Von Thasos konnten wir uns allerdings noch nicht so ganz lösen, also segelten bzw. motorten wir zunächst in Richtung Golden Beach. Hier fanden wir eine wunderhübsche, kleine Bucht für eine Nacht.

Ankerbucht beim Golden Beach auf Thasos


Golden Beach Thasos

Am nächsten Tag ging es weiter nach Aliki. Aliki ist aufgrund der vorgelagerten Halbinsel eine superschöne, vor Meltemi wunderbar geschützte Ankerbucht mit sehr gutem Ankergrund. Auf der Halbinsel befinden sich historische Marmorsteinbrüche. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus wurde der wertvolle Rohstoff hier abgebaut. Zudem finden sich hier Reste eines Heiligtums aus archaischer Zeit und frühchristlicher Basiliken. Ein Rundwanderweg führt über die Halbinsel und Schautafeln geben Hintergrundinformationen zu den einzelnen Ausgrabungen bzw. Funden.

Pünktlich Ende Juni setzte nun auch endlich der Meltemi ein. Aber dann auch gleich mal so richtig mit 30 Knoten und mehr. Wir starteten am 25. Juni einen Versuch, Richtung Samothraki zu segeln, drehten aber kurz darauf wieder um. Das mussten wir uns nun wirklich nicht antun. Hoch am Wind bei 30 Knoten! Nein, danke. Also lagen wir zwei weitere Tage in der schönen Bucht vor Aliki und warteten auf etwas weniger Wind.

Versorgungsmöglichkeiten gab es am Aliki Beach leider keine. Bis auf einen kleinen Supermarkt, der jedoch kein frisches Obst und Gemüse führte, fanden wir zwei Kantinas und ein paar Tavernen. Ab und zu kam der Gemüsewagen vorbei gefahren. Zum Glück hörte man diesen schon von weitem. Ansonsten gibt es eine Busverbindung nach Limenias – eine ideale Möglichkeit die Hauptstadt zu erreichen. Bei Meltemi spart man sich dann auf jeden Fall einen anstrengenden Segeltag gegenan.

Samothraki

Am 27. Juni heisst es Abschied nehmen von Thasos. Bei 15 Knoten aus NE (Böen bis 27 Knoten) segelten wir zusammen mit der S/Y MacSea nach Samothraki. Leider nahm der Wind im Laufe der Überfahrt immer weiter ab, wir wurden immer langsamer und langsamer und es blieb uns nichts anderes übrig, als zwischendurch den Motor zu starten. Nach 36 Meilen erreichten wir Kamariotissa, wo wir längsseits an der Betonmole festmachten. John von der S/Y MacSea erwartete uns bereits und nahmen die Leinen entgegen. Endlich lernten wir Robyn und John nicht nur von weitem kennen 😉 Die beiden Australier verbringen den australischen Winter auf ihrer Segelyacht in Griechenland und die kommenden Wochen sollten sich unsere Wege noch öfter kreuzen.

Anfahrt Samothraki – Bergmassiv Fengari

Nach Chora, den Hauptort der Insel, fährt von Kamariotissa regelmässig ein Bus. Vom Meer ist der Ort fast unsichtbar, er wurde versteckt gebaut, um sich vor Piratenangriffen zu schützen. Wir schlenderten durch die verwinkelten Gassen, zwischen den dicht aneinander gebauten Häusern hindurch bis hoch zur Festung. Ein sehr lohnenswerter Ausflug. Am frühen Nachmittag hatten allerdings die meisten Cafés geschlossen & unsere verzweifelte Suche nach einem kühlen Bier dauerte ganz schön lang.

Am nächsten Tag erkundeten wir zusammen mit Robyn und John per Mietauto die Insel. Samothraki ist geprägt durch das viele Wasser, welches von den Bergen hinabliesst. Wasserfälle, grüne Wälder, Natur pur. Ein kleines grünes Paradies.

Zudem besuchen wir das Heiligtum der grossen Götter, welches spektakulär in einer bewaldeten Bucht liegt. Hier sehen wir sehr eindrücklich, mit welcher Wucht das Wasser aus den Bergen herabfliessen kann. Einzelne Brücken und befestigte Wege sind zerstört. Die alten Bauten und Tempel sind meines Erachtens sehr sehenswert. Leider ist das dazugehörige Museum geschlossen.

Aufgrund der Wettervorhersage beschlossen wir am nächsten Tag Samothraki und damit Nordgriechenland zu verlassen und weiter nach Limnos zu segeln. Die östlichen Sporaden liegen vor uns.

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