Sicherheitsequipment an Bord – und nun?

Sicherheitsequipment an Bord unserer Segelyacht

Auf der Boot 2018 in Düsseldorf haben wir uns eingedeckt – mit unserem Sicherheitsequipment. Nach ausführlichen Recherchen und der Beratung am SOS Technic Stand haben wir uns für folgende Ausrüstung entschieden:

  • Automatikwesten California Professional 275 ISO kpl. mit Sprayhood, Bergegurt, Lifeline und Notlicht
  • Automatikwesten 150 N (besitzen wir bereits seit einigen Jahren)
  • Ocean Signal MOB 1 AIS Notsender, mit DSC
  • Epirb Ocean Signal 1
  • Rettungsinsel Ocean Iso 9650-1 für 4 Personen in Container mit Ausrüstung < 24h
  • Lagergestell aus Edelstahl & hydrostatischem Auslöser
  • Jonbuoy
  • Wurfleine mit Rettungsschlaufe
  • Hufeisenrettungsring-Set, komplett mit Halterung und Notlicht AQ 180

Seenotsignalmittel

  • 6 Fallschirmsignalraketen
  • 4 Handfackeln rot
  • 4 Rauchfackeln
  • 1 Rauchtopf
  • 2 Wasserfärber

Brandbekämpfung

  • Jockel Kohlendioxidlöscher KS2J, Brandklasse B, 2 kg
  • Jockel Schaumlöscher S2FJM für Brandklasse A+B
  • Löschdecke 100 x 100 cm

Sicherheitsequipment an Bord: und nun?

Wir hoffen, viele dieser Ausrüstungsgegenstände niemals zu benötigen. Aber wenn es dann doch passieren sollte … Mann über Bord, Feuer auf dem Schiff, ein beschädigtes, sinkendes Schiff? Wie gesagt, wir setzen alles daran, dass keiner dieser Fälle jemals eintritt. Aber wenn es doch mal dazu kommen sollte wäre es dann nicht auch gut zu wissen, wie wir die Rettungsinsel aktivieren & wie wir dort am besten rein kommen?

Theoretisch wissen wir dies – auf Insel, Feuerlöscher, Handfackel und allen anderen Gegenständen ist dies auch wunderbar anhand von Skizzen erläutert. Aber ganz ehrlich, und ich glaube es geht nicht nur uns so: weisst du im Worst Case wirklich, wie die Anwendung der einzelnen Gegenstände funktioniert? Hast du im Worst Case Zeit, dir die Anleitung durchzulesen? Weisst du in der Hektik, ob du besser den Schaum- oder den CO2 Löscher anwendest oder wie du die Insel aktivierst?

Wir kennen es vom Tauchen – haben früher immer regelmässig im Hallenbad verschiedene Szenarien trainiert: Maske verloren, Maskenband gerissen, Ausrüstung ablegen (wenn im Netz o.a. verfangen), Automat vereist, Flasche leer, … – wenn diese Worst Case Szenarien dann wirklich mal eintreffen sollten, sind wir sicherlich ruhiger und routinierter, als wenn wir diese nie geübt hätten. Und genau so wollten wir es mit der Sicherheitsausrüstung auf der Anixi halten und haben uns aus diesem Grund für einen Tag „Offshore Intensiv Training“ in Bremerhaven entschieden.

Offshore-Intensivtraining in Bremerhaven

Das Training verlief über einen kompletten Tag und bestand aus folgenden Modulen, die jeweils mit einer kurzen theoretischen Einführung starteten.

Modul 1: Im Offshore-Trainingsbecken

Bevor wir uns ins Offshore-Trainingsbecken wagen, checken wir gemeinsam, ob unsere Automatikwesten voll einsatzbereit sind. Dies ist ein wesentlicher Part zum Beispiel beim Briefing einer neuen Crew. Jeder sollte nicht nur wissen, wie die Weste richtig anzulegen ist. Jeder sollte auch wissen, woran er erkennt, ob seine Weste im Notfall auch tatsächlich auslösen würde. Oder was zu tun ist, wenn sie eben mal nicht automatisch auslöst.

Je nach Rettungswesten Typ gibt es natürlich leichte Unterschiede. Aber im Prinzip sind es die folgenden Dinge, die zu überprüfen sind:

  1. Ist die CO2 Patrone, mittels derer die Weste gefüllt werden würde, noch neu und verschlossen?
  2. Ist die CO2 Patrone handfest eingeschraubt? (grüner Indikator, je nach Weste)
  3. Ist die Salztablette noch in Ordnung? (grüner Indikator, je nach Weste)
  4. Wie kann ich die Weste manuell auslösen?
  5. Ist der manuelle Auslöser griffbereit?
  6. Wie kann ich die Weste aufblasen bzw. auch wieder entleeren?

Unsere neuen Rettungswesten California Professional 275 ISO sind mit ULM Pro-Sensoren ausgestattet: Funktionsprinzip und einzelne Komponenten.

Nachdem wir uns mit plüschigen Teddybär- und Trockenanzügen („trocken“ blieb von uns 6 Teilnehmern allerdings nur Hacko) eingekleidet & die Rettungswesten angelegt hatten ging es auch schon los.

Offshore-Intensivtraining

Aktivierung der Rettungsinsel

Anja und ich durften die Rettungsinsel aktivieren und direkt „vom Schiff aus“ einsteigen. Der erste bzw. die ersten beiden Personen (zumindest bei der 6 Personen Insel), die in die Rettungsinsel einsteigen, können sich bäuchlings auf den Luftschlauch des Daches fallen lassen. Funktioniert wirklich sehr gut 🙂 Mit mehr Wellengang übten wir den Einstieg aus dem Wasser, erlebten die Situation zu fünft in der 6 Personen Insel bei Dunkelheit, Sturm & Regen, und wurden von der Insel (per Helikopter) abgeborgen.

Einstieg in die Rettungsinsel

Nach Aktivierung haben wir die Rettungsinsel genauestens inspiziert. Was befindet sich eigentlich in deiner Rettungsinsel?  Und was solltest du zusätzlich im Notfall mitnehmen? Ist sich jeder an Bord seiner Rolle in solchen Fällen bewusst?

In unserer Rettungsinsel befindet sich

  • Messer
  • Pütz
  • Schwämme
  • 2 Paddel
  • 1 Signalpfeife
  • Taschenlampe
  • Signalspiegel
  • Mittel gegen Seekrankheit
  • Seekrankheitsbeutel
  • 3 Handfackeln, rot
  • 2 Fallschirmraketen
  • Reparaturkit
  • Blasebalg
  • Wurfleine 30 m
  • Treibanker

Zusätzlich werden wir ein Grab Bag mit folgenden Utensilien vorbereiten:

  • Aluminumisolierdecken
  • Erste Hilfe Set
  • 3 Flaschen à 1.5 Liter Wasser
  • Taschenlampe
  • Notnahrung
  • Fernglas mit eingebautem Kompass
  • Brille
  • Kartenspiel & ein Buch zur Unterhaltung

Im Notfall, sind folgende Sachen ebenfalls mit an Bord der Rettungsinsel zu nehmen. Die meisten dieser Sachen werden um den Kartentisch bzw. direkt am Niedergang angebracht & sind somit griffbereit:

  • Epirb
  • Handfunkgerät
  • Mobiles GPS
  • Satellitentelefon
  • Uhr (UTC)
  • Handpeilkompass
  • Koffer mit Signalmitteln
  • Handscheinwerfer
  • Pässe, Schiffspapiere
  • Sextant, Tabelle, Seekarte

Rettungswesten inkl. MOB AIS Notsender tragen wir beim Einstieg in die Rettungsinsel an Mann.

Wir testeten die Reaktion von selbstauflasbaren Rettungswesten. Es ist schon ein beruhigendes Gefühl zu erleben, wie schnell du in die ohnmachtssichere Position gedreht wirst.

Ausserdem hatten wir die Möglichkeit, einen relativ neuen Ausrüstungsgegenstand, den Jon Buoy, zu testen. Michael und Morten von der Yacht Redaktion werden dazu in Kürze einen Artikel veröffentlichen. Der Jon Buoy vereint die Signalboje, den Rettungsring und bietet dem Überbord Gegangenen eine Möglichkeit, etwas sicherer und trockener auf seine Rettung zu warten. Voraussetzung, er ist noch bei Bewusstsein und kann selber in den Jon Buoy einsteigen. Dies geht relativ einfach, auch mit aufgeblasener Rettungsweste. Mittels der Bergeschlaufe, die am Jon Buoy befestigt ist, kann die Person anschliessend aus dem Wasser gewinscht werden.

Hacko im Jon Buoy

Wir hatten uns bereits auf der Boot für den Jon Buoy entschieden. Die Anschaffungskosten sind zwar recht hoch, aber nach dem Testing sind wir überzeugt, dass es eine sinnvolle Investition war.

Modul 2 – Brandbekämpfung

Pulver-, Schaum-, CO2 Löscher oder Löschdecke? Wir haben alle vier Varianten ausgiebig getestet. Obwohl Pulver im Schiff kaum zum Einsatz kommen wird, aufgrund der nachhaltigen Zerstörung, die das Pulver anrichtet.

Mit dem CO2 Löscher können v.a. Flüssigkeitsbrände und bedingt Gasbrände gelöscht werden. Aber auch Kabelbrände (die häufigste Brandursache auf Schiffen) sind damit löschbar. Brennen feste Gegenstände wird der Schaumlöscher verwendet. In der Pantry verwendet man am besten den Topfdeckel zum Löschen von brennenden Ölen. Wenn mehr als der Topfinhalt brennt, dann kommt die Löschdecke zum Einsatz (vorsichtig, dabei Töpfe, Pannen nicht runterreissen!!).

Die Praxis zeigte, dass es wichtig ist flächig das gesamte Feuer zu löschen und den Löscher nicht nur auf einen Punkt zu halten.

Die Löschdecke hat mittlerweile etwas an Bedeutung verloren. Die Gefahr der Eigenverbrennung ist damit sehr hoch. Für Fette, Öle im Pantry Bereich gibt es mittlerweile spezielle Löscher (Klasse F). Für Personenbrände wird der Schaumlöscher verwendet, CO2 funktioniert auch bedingt. Die Gefahr der erneuten Entflammung ist allerdings gegeben.

Modul 3 – Pyrotechnik im Einsatz

Nach kurzer Einweisung in die Handhabung und Wirkung der unterschiedlichen Seenotsignalmittel durfte jeder Teilnehmer eine Handfackel zünden. Handfackeln können tags- und nachts angewendet werden – machen jedoch nur Sinn, wenn Sichtkontakt z.Bsp. zu einem anderen Schiff besteht. Fallschirmraketen werden im Notfall auch auf Verdacht, dass ein anderes Schiff in der Nähe ist, tagsüber oder nachts abgeschossen. Die Steighöhe beträgt mind. 300 Meter.

Anschliessend haben wir einen Rauchtopf aktiviert. Dies macht wiederum nur tagsüber Sinn. Im Falle eines Helikoptereinsatzes kann dies dem Piloten helfen: er sieht sofort, woher der Wind kommt.

Wir haben ausserdem Wasserfärber an Bord. Hacko, der sich vor vielen Jahren in einer Seenot Situation befunden hat, schwört darauf. Er konnte eigens miterleben, dass ein befreundeter Surfer im Wasser nahezu unauffindbar war – trotz bunter Segel war er weder vom Seenot Rettungskreuzer noch vom Helikopter aus zu sehen. Zum Glück wurde er letztendlich gefunden, aber hätte er damals Wasserfärber an Mann gehabt, wäre es erheblich einfacher gewesen (und sicherer).

Zu guter Letzt

Im Anschluss hatten wir die Möglichkeit, die Rettungskapseln der Falck Safety Services zu besichtigen. Beeindruckend !!!

Rettungskapsel Hatecke

Wir empfanden das Offshore-Intensiv-Training als äusserst sinnvoll & sind froh, dass wir dafür den weiten Weg & die Kosten auf uns genommen haben.

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