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Binger Loch – Es stimmt, was die Einheimischen sagen

Binger Loch: Es stimmt, was die Einheimischen sagen

Mittelrhein, Niederrhein und dann dem Wegweiser nach (es gibt tatsächlich Wegweiser auf dem Rhein) in die Geldersche IJssel. So sieht der weitere Weg aus. Aber bevor wir ihn tatsächlich antraten, mussten wir noch am eigenen Leib erfahren, dass es wohl stimmt, was die Einheimischen sagen.

Ist das „Gebirge“ gefährlich?

Vor uns liegt der Rheingau, der wohl spektakulärste Streckenabschnitt auf dem Rhein. Aber auch einer der gefährlichsten, wie wir von nahezu jedem Einheimischen aus Rüdesheim gehört haben. Enge, starke Strömung, Kurven, Ablenkungsgefahr durch Schlösser, Burgen – das ist das Gebirge. Nicht umsonst wird die Berufsschifffahrt auf diesem Abschnitt durch die Wahrschau reguliert.

Bereits von der Loreley, wo wir vor einigen Wochen mit Nadin und ihrem Freund zum Ritterspektakel gewesen sind, bekommen wir einen ersten Eindruck von dieser Strecke. Auch der Ausblick von der Burg Rheinstein, die wir mit Marcel, Bea und Luca besuchten, zeigt die Schönheit, aber auch die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Blick von Loreley

Blick von Burg Rheinstein

Die Nadelöhr ins „Gebirge“: das Binger Loch

Dass der kommende Streckenabschnitt auf dem Mittelrhein (km 528 – km 590) , insbesondere die starke Strömung am Binger Loch (km 528), nicht zu unterschätzen sind, mussten wir am eigenen Leib erfahren. Nachdem wir unseren instandgesetzten Motor eingebaut hatten, ging es auf zu einer ersten Testfahrt. Holger Weinert wollte für eine Sendung des HR noch ein paar Aufnahmen von uns machen. Und das am besten während der Fahrt Richtung Binger Loch, im Hintergrund der Mäuseturm. Denn das ist die Strecke, die wir in ein paar Tagen fahren wollten.

Binger Loch - Mäuseturm

Eine folgenreiche Entscheidung

Gesagt getan, unsere erste Testfahrt mit dem instandgesetzten Motor ging nun wegen der Filmaufnahmen den Rhein runter. Nicht wie geplant, den Rhein rauf. Und das war eine folgenreiche Entscheidung… Bis zum Binger Loch lief alles reibungslos. Der Kameramann ist bereits auf das Begleitboot übergestiegen, wir haben nochmals eine Runde gedreht. Und dann ging es rheinaufwärts wieder Richtung Rüdesheimer Hafen. Aber was war das? Alarm, Pfeifen, die Öldruckwarnung ging los… Und wenn das der Fall ist, bleibt nicht anderes übrig: an den Rand der Fahrrinne, Ankern! Nur das grosse Problem: wir hatten blanken, felsigen Untergrund unter uns & eine Strömung von 8-10 km/h.

Immer wieder versuchte unser Heckanker zu halten, zu greifen. Aber immer wieder rutschte er zur nächsten Felsspalte. Und dabei wurde Anixi immer wieder abrupt brutal abgebremst. Das ganze 7-8 Mal, bis mit einem grossen Knall der Anker, die gesamten 50 Meter Ankerkette und die Ankerwinsch inkl. der von Hacko geschweissten Halterung abgerissen wurden. Wir sind so froh, dass nicht mehr passiert ist. Anixi geht es ansonsten gut, uns geht es gut – das hätte auch ganz anders ausgehen können, so brutale Kräfte traten auf!

Der Motor lief immer noch, die Öldruckwarnung pfiff – trotzdem versuchten wir es. 5 km gegen die Strömung, rheinaufwärts bis in den Rüdesheimer Hafen. Auch dort lief der Motor noch wunderbar. Fehlalarm?

Wie sich anschliessend herausstellte, war es tatsächlich Fehlalarm. Der zusätzliche Temperatur Alarmsensor ist vom Vorbesitzer unserer Anixi mit dem Öldruckalarm zusammengeklemmt wurden. Der Temperatursensor erwies sich als defekt – er reagierte bereits ab 80° Motortemperatur. Während unserer zweiten Testfahrt, diesmal rheinaufwärts, pfiff der Alarm erneut. Nachdem Hacko den Sensor abgeklemmt hatte, kehrte Ruhe ein.

Was haben wir daraus gelernt?

  • Niemals wegen Filmaufnahmen oder anderen Gründen die geplante Testfahrt (die rheinaufwärts gehen sollte) auslassen
  • Niemals verschiedene Arten von Sensoren auf ein und denselben Alarmgeber legen
  • Die Sicherung der Ankerkette am Schiff bzw. im Ankerkasten so konzipieren, dass sie als Sollbruchstelle fungiert. Ein Schäkel (wie wir ihn verwendet hatten), der mehrere Tonnen Bruchlast aufweist, ist dafür nicht angebracht. Hätten wir dies vorher berücksichtigt, hätten wir wahrscheinlich nur die Ankerkette und den Anker verloren, nicht aber die gesamte Ankerwinsch & Halterung.

Zwei Tage später fuhren wir wieder Richtung Binger Loch.

2 Kommentare
  1. Gabriela auf Reisen
    Gabriela auf Reisen sagte:
    24. September 2018 um 14:26

    Oje, an sowas habe ich als absoluter Laie noch nie gedacht. Es gehört schon viel Wissen dazu Kapitän eines Bootes oder Schiffes zu sein. Viel Spaß noch auf euren Touren und immer eine Handbreite Wasser unter dem Kiel.
    Liebe Grüße Gabriela

    Antworten
    • Nora
      Nora sagte:
      24. September 2018 um 17:12

      Liebe Gabriela. Vielen Dank für deine Wünsche. Erst als wir uns intensiver mit dem Rhein als Schifffahrtsweg auseinandergesetzt haben wurde uns klar, warum dieser Fluss als sehr anspruchsvoll zu fahren gilt. Vorher war uns dies auch nicht so bewusst 😉 Wir sind froh, dass es am Binger Loch so glimpflich für uns abgelaufen ist. Der Rhein sollte definitiv nicht unterschätzt werden. Dir wünschen wir ebenfalls noch viele tolle Reisen! Hacko & Nora

      Antworten

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Also, … die BVIs haben wir nicht wirklich erkundet Also, … die BVIs haben wir nicht wirklich erkundet, denn nach nur drei Tagen haben wir bereits wieder ausklariert 🫣. Trotzdem war es die beste Entscheidung hierher zu segeln, denn wir hatten nochmals eine wunderschöne Zeit mit Freunden 🥰. Brändi Dog mit der Friday (@ursi.goetschi), Fachsimpeln und Ostereiersuche mit Matilda, und zum Abschluss ein Highlight der BVIs, The Baths, mit Matilda und Vitamine. Nun ist es definitiv, wir nehmen Abschied von der Karibik und segeln zurück Richtung Europa.
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